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Business Success – Marie-Theres Zirm, Cardamom

Business Success – Marie-Theres Zirm, Cardamom

Mag.a Marie-Theres Zirm ist Inhaberin von cardamom – Agentur zur Förderung des guten Geschmacks in Weiz, Steiermark und Wien. Die Agentur bietet Strategieberatung und Formatentwicklung für Organisationen in Verbindung mit klassischen Leistungen einer Werbeagentur, wie zum Beispiel Corporate-Design.

cardamom Inhaberlin Zirm


Marie-Theres Zirm Fotonachweis: (c) foto-maxl.at

 

Viking: Wie würden Sie Ihre Karriere in drei Sätzen beschreiben?

In Bewegung lebendig. Mit einem neugierigen, spielerischen Zugang. In Kooperation mit anderen.

 

Viking: Wie ist die Idee cardamom zu gründen entstanden?

Ich hatte gemeinsam mit einer Freundin festgestellt, dass es bei all den Dingen, die ich vor der Firmengründung gemacht habe, von Mutter-Tochter-Workshops bis hin zu Weiterbildungen für Bankmanager*innen, immer einen verbindenden Geschmack gab, eine gemeinsame Haltung, ein bestimmtes Menschen- und Weltbild. Daraufhin sind wir auf die Idee gekommen, ein Gewürz zu nehmen. Ich mag Cardamom. Es kann in allen Speisen verwendet werden: in warmen und kalten, flüssigen und festen, süßen und sauren. Du darfst nur eine Prise dazu geben, sonst schmeckt es nicht. Das ist auch unsere Haltung, dass wir unseren Kundinnen und Kunden ihre Projekte nicht aus der Hand nehmen, sondern wir geben einfach eine Prise Cardamom dazu und es werden Projekte daraus, die Herz und Magen stärken, also Sinn stiften und wirksam werden.

 

Viking: Welche Hindernisse gab es dabei zu überwinden?

Erstaunlich wenige, weil ich von vornherein sehr vernetzt gearbeitet und auf Kooperation gesetzt habe. Die größten Hindernisse war die interne Zusammenarbeit, da bin ich bis heute immer wieder gefordert. Das Menschliche: Was heißt Augenhöhe? Wo sind Grenzen? Was heißt Führen in einer Kooperations-Kultur, was heißt der Anspruch, gewisse Dinge alleine entscheiden zu dürfen und gleichzeitig gemeinsam Sachen zu machen? Diese Widersprüche müssen wir immer wieder unter einen Hut bringen. Ich habe mich selbstständig gemacht, um nicht alles diskutieren zu müssen und gleichzeitig auch, um Dinge gemeinsam in die Welt zu bringen.

 

Viking: Was war Ihr bisher größter Erfolg ihrer Karriere?

Der größte Erfolg für mich ist, dass ich cardamom als Firma entwickeln konnte und gleichzeitig zwei Kinder bekommen habe und es mir gelungen ist, mit meinem privaten und beruflichen Netz das im Großen und Ganzen gut unter einen Hut zu kriegen. Das andere ist, dass wir vor fünf Jahren aus der Wiener Innenstadt in die Oststeiermark gezogen sind, zunächst aus privaten Gründen, und es mir gelungen ist, in der Region wirksam zu werden. Das war nicht mein ursprüngliches Ziel, ich mache nach wie vor viele große Projekte auf Österreich-Ebene, aber wir konnten hier in der Oststeiermark einige ehrenamtliche Initiativen starten und daraus bezahlte Projekte entwickeln. Wir bringen uns mit unserer Haltung, unseren Themen in die Region ein – von den Themen Gemeinwohl und Bildung bis hin zu Crossover-Themen, wo es darum geht, etwa Landwirtschaft und Kreativwirtschaft zusammen zu bringen. Das geht weit über das Angebot einer reinen Design-Agentur hinaus. Wir machen zwar Design, aber unser Hauptarbeitsgebiet ist die Gestaltung von Prozessen und Reflexionsräumen, die dann Kreativwirtschaft-Dienstleistungen brauchen wie zum Beispiel Logos oder eine Website. So gesehen sind wir Prozess-Designer*innen.

 

Viking: Was ist Ihr Lieblingsbüroartikel, auf den Sie nicht mehr verzichten können?

Haftnotizen-Zettel! Was ich auch gern habe, sind bedruckbare Adress-Etiketten aus Stoff, die wir gut bei Gruppen als Namensschilder einsetzen können und die das Gewand nicht kaputt machen, und nachfüllbare Plakatmarker (Eddings). Da sind wir gerade erst am Umstellen. Bei der Erstellung unserer Gemeinwohl-Bilanz habe ich gemerkt, dass wir hier einen kleinen Beitrag leisten können, indem wir auf ökologische Varianten umsteigen, statt die Marker wegzuhauen, wenn sie leer sind. All diese Dinge wären lässig, wenns die noch nachhaltiger gäbe.

 

Viking: Sie engagieren sich ehrenamtlich für die Gemeinwohl-Ökonomie. Können Sie die Idee dahinter kurz umschreiben?

Für mich geht’s darum, zu schauen: Wohin entwickelt sich unsere Wirtschaft? Nicht nur theoretisch, sondern real gelebt. Wirtschaft soll dem Gemeinwohl dienen. Damit meine ich diese eine Welt mit allen ihren Ressourcen und Menschen. Für uns war es wichtig, die Gemeinwohl-Ökonomie als Reflexions-Tool zu sehen, wo wir uns weiterentwickeln, und wo wir ein Netzwerk mit gleichgesinnten Unternehmerinnen und Unternehmern haben. Ich habe als Unternehmerin die Möglichkeit, noch in anderen Bereichen aktiv zu sein als eine Privatperson. Ich versuche zum Beispiel, bewusst mit Partner*innen zu kooperieren, die ähnliche Werte unternehmerisch wie auch privat leben.

 cardamom logo

Viking: Wie schalten Sie nach einem Arbeitstag ab?

Ich fahre mit dem E-Bike nach Hause. Dann sind dort zwei Kinder, mein Mann und 13 Hühner, insofern geht das Abschalten dann schnell. Diese klare Trennung zwischen Job und Freizeit ist zwar wünschenswert und ich bemühe mich immer wieder darum. Aber ein stückweit versuche ich da zu jonglieren, also ich versuche dann zwei Stunden arbeiten und dann wieder nicht. Wichtig sind mir unsere zwei Monate Urlaub im Jahr, wo ich wochenweise offline bin. Unsere Kund*innen wissen das und in einem Team oder Kooperationsnetzwerk lässt sich das gut organisieren.

 

Viking: Welchen Ratschlag würden Sie jemandem geben, der sich mit einer Idee selbstständig machen möchte?

Ich würde einladen, mir oder einer/einem Unternehmer*in im Umfeld Fragen zu stellen. Die Person kann fragen, was sie will, und ich würde ehrlich antworten. Aus dem Nähkästchen plaudern, meine Momente des Scheiterns und meine Schwierigkeiten, aber auch Erfolgszutaten, das alles würde ich zur Verfügung stellen.
Wenn es um die Geschäftsidee geht, empfehle ich, sich entweder Expert*innen oder eine Peer-Gruppe suchen, denen von der Idee erzählen und sich Feedback holen. Also nicht ewig die Idee für sich allein behalten! Dann würde ich raten, möglichst früh potenzielle Kund*innen in die Entwicklung einzubeziehen und zu schauen, ob sie die Dienstleistung oder das Produkt überhaupt brauchen oder es vielleicht ein Stück anders brauchen.

 

Viking: Welche Zukunftspläne gibt es für cardamom?

Die Zukunft von cardamom sehe ich in Bewegung und im Wandel. Wir werden unsere Haltung und Werkzeuge weiter entwickeln und in verschiedenen Themenfeldern wie etwa Bildung, Wirtschaft, Gesellschaft einsetzen. Wir werden weiterhin in Kooperationen denken, arbeiten und leben.

 

Viking: Vielen Dank für das Interview.

 

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