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Start-Ups im Interview: Schneller mit dem Rad zur Arbeit mit Motor

Start-Ups im Interview: Schneller mit dem Rad zur Arbeit mit Motor

Mit dem Rad ins Büro, das hält fit und gesund. Eine Langzeitstudie des Europäischen Radfahrer-Verbands hat herausgefunden, dass Radfahren die Gesundheit positiv beeinflusst und das regelmäßiges Radfahren die Lebenserwartung deutlich steigert. Weitere positive Auswirkungen des Ausdauersports, wie ein gestärktes Herz und ein angeregter Kreislauf und Stoffwechsel sind weithin bekannt. Allerdings möchte man besonders in der kalten Jahreszeit nicht so gerne raus und fährt dann doch lieber mit dem Auto von A nach B. Bevor Sie aber im Winter vom Rad zum Auto umsteigen, stellen wir Ihnen diese Woche ein österreichisches Start-up Unternehmen vor, was das Radfahren mit nachrüstbarem Motor zum extraschnellen Vergnügen macht und Ihnen besonders in den kalten Monaten hilft schnell zur Arbeit zu fahren. Interview-Partner ist der Gründer des Start-ups add-e, Fabian Gutbrod.

Alt: add-e Team (v.l.): Fabian Gutbrod, Tihana Pintaric und Thomas Pucher

 

 Viking: Wie bist du auf die Idee für add-e gekommen?

Fabian Gutbrod: add-e ist während meiner Studienzeit entstanden. Die erste Idee war ganz einfach und egoistisch, ich wollte einfach weniger Anstrengung bei mehr Speed auf dem Weg in die FH. Daher habe ich mir sehr früh auf mein Alltagsrad einen Motor, Regler und Akku angebaut. Dafür musste seinerzeit ein kleiner e-Roller (Tante Paula Roller) dran glauben den ich geschenkt bekommen habe.

Da die Bleibatterien aus besagtem e-Roller jedoch bereits nach kurzer Zeit die Schwachstelle im System wurden, habe ich mich kurzerhand auf die damals noch recht wenig verbreiteten Lithium-Akkus konzentriert. Kurz darauf war der Akku kleiner als der Motor. Und so kam das eine zum anderen und das System wurde schrittweise immer kompakter.

Erst 2013, am Ende meines Masterstudiums wurde aus diesem Hobby ein Geschäftsmodell. “Schuld” daran ist das build! Gründerzentrum, welches als Inkubator im Raum Kärnten großartige Unterstützung bei der Umsetzung von Geschäftsideen bietet. Von da an hat sich einiges geändert. Die Erfahrungen der ersten Jahre wurde in einem Businessplan optimiert und das Antriebskonzept mit einigen weiteren Prototypen bis hin zu einem fertigen Serienprodukt, zur Montage an jedem beliebigen Fahrrad, weiterentwickelt.

Den wirklichen Startschuss für die Serienproduktion gab es jedoch erst 2015 im Zuge der sehr erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo. Du siehst, es war in Wirklichkeit nicht der „Gedankenblitz“, sondern ein relativ langer Weg bis zum add-e, wie er heute ist.

Viking: Was ist deine Vision in zwei Sätzen?

Fabian Gutbrod: Ich möchte Produkte “erschaffen” die nachhaltig die Mobilität beeinflussen. Die e-Mobilität ist der Einstieg in viele Segmente, add-e ist da nur der Anfang :-)

Viking: Wie funktioniert add-e genau?

Fabian Gutbrod: add-e ist ein Nachrüstantrieb. Das heißt, der Kunde rüstet sein bestehendes Fahrrad mit unserem Antrieb auf. Dazu muss am Fahrrad nichts gebohrt oder sonst wie dauerhaft verändert werden. Das Montageset wird an die genormten Befestigungspunkte des Rahmens angeschraubt. Akku und Antriebseinheit können dann in nur wenigen Sekunden am Rad an- bzw. abgebaut werden. Eine echte Besonderheit ist die spezielle Schwingarm-Mechanik. Diese ermöglicht es im ausgeschalteten Zustand ganz ohne jegliche Reibung oder zusätzliche Trägheit Fahrrad zu fahren. Erst wenn man zum Beispiel an einer Steigung ist, schaltet man den Antrieb mit einer Drehung der auf dem Trinkflaschenakku angebrachten Verschlusskappe in die gewünschte Unterstützungsstufe. Daraufhin hilft der Motor ordentlich mit. Ist man oben angekommen und braucht keine Unterstützung mehr, stellt man den Antrieb genau so einfach wieder ab und fährt ganz entspannt weiter.

Alt: Fahrrad mit add-e Motor

 

Viking: Für wen eignet sich das Produkt?

Fabian Gutbrod: Bei add-e geht es in erster Linie ums Fahrrad fahren. Das klingt vielleicht doof da wir ja eigentlich einen e-Antrieb verkaufen, aber unsere Kunden wollen noch normal Fahrrad fahren. Das heißt 90 Prozent der Zeit, wo man auch ohne e-Antrieb gut unterwegs ist, hat man sein leichtes und oft heiß geliebtes Fahrrad. Will man doch etwas elektrischen Rückenwind, z.B. am Berg, ist der Antrieb sofort da und hilft einem über die Steigungen. Daher haben wir auch ein ganz vielfältiges Kundenbild: Vom Rennradfahrer über den Berufspendler bis hin zum Camper ist wirklich alles dabei. Es ist so toll zu sehen, wie viele Leute mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen mit unserem Antrieb die ideale Lösung gefunden haben.

Viking: Was war dein bisher größter Erfolg?

Fabian Gutbrod: Unsere Crowdfunding-Kampagne Anfang 2015! Wir haben uns hohe Ziele gesetzt und haben diese um mehr als das Vierfache übertroffen. Bei so vielen Interessenten das Vertrauen für ein noch nicht 100 Prozent fertiges Produkt zu gewinnen ist wirklich nicht leicht. Es ist viel Zeit und auch Geld in die Vorbereitung für diese Kampagne geflossen. So haben wir am Ende über 400.000 Euro Vorfinanzierung erhalten und konnten gleich richtig loslegen. Das war für mich eine grandiose Bestätigung meiner Arbeit und der bis dahin vermutlich größte Erfolg mit add-e.

Viking: Welche Hindernisse gab es zu überwinden?

Fabian Gutbrod: Puh, ob da die Interview Zeit ausreicht :-)
Ich glaube ich breche das auf ein paar große Brocken herunter. Ein echtes Hindernis ist wie eigentlich immer im Leben die Zeit. Es leidet natürlich das Sozialleben extrem darunter, dass man nach dem großen Erfolg und dem schnellen Wachstum nichts anderes mehr als die Firma im Fokus hat.

Dann natürlich die Finanzierung. Es ist fast unmöglich ohne zusätzliche Gelder von null weg zu starten. Wir mussten uns sehr früh, trotz der Kampagne um zusätzliche Gelder bemühen und die ersten Jahre viel privates Geld in die Firma stecken, ohne dabei auch nur einen Euro zu verdienen.

Und als Dritten, wohl genauso wenig überraschenden Punkt natürlich das Team. Es gibt ein Sprichwort, dass man wahre Freundschaft erst in schlechten Zeiten erkennen kann. Dasselbe gilt, wie ich finde, auch bei Kollegen bzw. Mitarbeitern. Wenn einmal alles läuft, ist es recht einfach “mit zu schwimmen”. Was man aber braucht, sind loyale Menschen, die wirklich mit Herzblut hinter der Sache stehen. So etwas zu finden ist für mich nicht einfach und hat mir vermutlich die meisten schlaflosen Nächte breitet bzw. tut es noch.

Alt: Fahrradfahrer

Viking: Welche Zukunftspläne gibt es für add-e?

Fabian Gutbrod: Wir sind so schnell gewachsen und die Nachfrage ist so groß, dass wir viele Dinge haben vernachlässigen müssen. Damit die Qualität nicht darunter leidet, wird sich in den nächsten Monaten einiges tun. add-e selbst wird aber natürlich ständig weiterentwickelt. Folgende Neuerungen nehmen wir in Angriff: Die Anzeige im Flaschenboden, Handy-App, nochmals leistungsstärkere Elektronik und Verbesserung der Steckverbindungen.

Viking: Was ist dein Lieblings-Büroartikel?

Fabian Gutbrod: Ich bin nicht gern im Büro, daher habe ich mir diese Frage selbst noch nie gestellt. Wenn ich spontan darauf antworten soll, dann wird es wohl der Firmenstempel werden. Nicht das dieser etwas Besonderes wäre, aber immer, wenn ich den Stempel auf ein Dokument “knallen” kann, habe ich eine Aufgabe abgeschlossen und das fühlt sich einfach gut und richtig an.

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Wenn Sie auch mal Lust bekommen als Abschluss einen Stempel so richtig auf das Papier zu „knallen“ dann haben wir genau das Richtige für Sie im Sortiment!

Wie kommen Sie im Winter zur Arbeit? Zu Fuß, mit Bahn und Bus, im Auto oder mit dem Rad? Lassen Sie es uns auf unserer Facebook-Seite oder bei uns auf Twitter.

radfahrer1 Vom Rennradfahrer über den Berufspendler bis hin zum Camper ist wirklich alles dabei. Es ist so toll zu sehen, wie viele Leute mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen mit add-e die ideale Lösung gefunden haben.
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