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Mythos & Realität: Ein Personalberater klärt auf

Mythos & Realität: Ein Personalberater klärt auf

Anfang zwanzig, Uniabschluss, Berufserfahrung, 24/7 erreichbar und keine Gehaltsvorstellung – so lautet der Mythos für den perfekten Bewerber. Ein passender Kandidat für einen Job sieht aber natürlich immer anders aus und hängt von der jeweiligen Branche ab. Da es nicht immer einfach ist, einen passenden Job sowie Kandidaten zu finden, gibt es Personalberater, die beiden Seiten zur Hilfe stehen und vermitteln. Matthias Dietrich, von der Personalberatungsfirma Eblinger & Partner, arbeitet seit 10 Jahren im Recruiting und hat uns im Interview mehr über seine Tätigkeit und den Arbeitsmarkt verraten.

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Viking: Was macht man als Personalberater?

Matthias Dietrich: Gefühlt führe ich pausenlos Gespräche. Der Job hat viel mit Kommunikation zu tun.

Das beginnt mit dem Verkauf der Beratungsleistung im persönlichen Gespräch mit der Geschäftsführung oder Personalleitung. Viele Kunden beauftragen einen Personalberater, um insbesondere im Management zu Kandidaten zu gelangen, die sie über die gewöhnlichen Bewerbungskanäle nicht erreichen. Ab einer gewissen Ebene bewirbt man sich eben nicht mehr, sondern lässt sich abwerben. Das Abwerben oder sogenannte Headhunting ist auch die eigentliche Paradedisziplin des Personalberaters. Dabei wird eine Liste an Unternehmen erstellt, in denen passende Kandidaten arbeiten. Diese Kandidaten werden dann direkt oder indirekt über Empfehlungen aus dem Netzwerk des Beraters angesprochen. Signalisieren die Kandidaten Interesse, sind sie im weiteren Auswahlverfahren dabei. Es folgen meist mehrere Auswahlrunden, vom klassischen Interview über Persönlichkeitsanalysen bis zum finalen Hearing mit der anschließenden Entscheidung des Unternehmens für einen Kandidaten. Als Personalberater ist man meist live dabei, moderiert, organisiert und berät den Kunden, aber auch den Kandidaten hinsichtlich seiner Entscheidung.

Aufgrund der unterschiedlichen Persönlichkeitstypen und Berufsfelder, ist Abwechslung als Personalberater in jedem Fall garantiert.

Personalberater

Viking: Hat sich der Arbeitsmarkt verändert, seitdem Sie den Job machen?

Matthias Dietrich: Ich arbeite jetzt seit 10 Jahren im Recruiting und in der Personalentwicklung. Wenn ich da von Veränderung rede, dann natürlich zu aller erst aufgrund der Auswirkungen der Finanzkrise, wobei der Dauerbrenner, die fortschreitende Digitalisierung, hier nicht fehlen darf, wenn es um Veränderungen am Arbeitsmarkt geht. Unmittelbar nach der Finanzkrise wurde rigoros rationalisiert, Abteilungen zusammengelegt und Jobs gestrichen. Viele Unternehmen waren auf gänzlichen Einstellungsstopp programmiert. Sehr oft traf es dabei auch das Management und nicht nur Arbeiter in der Produktion. Wenn man so will, war das die Zeit ab 2009. Seit 2013 ist wieder eine gewisse Erholung zu spüren, Unternehmen stellen wieder vermehrt neue Mitarbeiter ein. Was sich aber im Vergleich zu vor der Krise zeigt und verschärft: Die Unternehmen agieren viel vorsichtiger bei Personalentscheidungen, die Auswahlrunden nehmen zu, der komplette Auswahlprozess zieht sich immer mehr in die Länge, Entscheidungen für eine Einstellung dauern an und werden durch zunehmende Test- und Analyseverfahren abgesichert. Zugleich werden neue Anforderungen an Bewerber gestellt: Kompetenzen wie Resilienz, Veränderungsbereitschaft und Innovation gewinnen an Bedeutung.

Viking: Was war das Verrückteste, was Sie als Personalberater erlebt haben?

Matthias Dietrich: Es gibt natürlich immer wieder sehr spannende Ereignisse. Wir arbeiten ja mit Menschen, die sich in einer oft herausfordernden Situation befinden. Es geht um den Job, die Karriere, die Selbstverwirklichung oder finanzielle Absicherung. Viel hängt hierbei von einem einzelnen Gespräch ab. Da kann es natürlich schon auch zu großen Emotionen kommen. Wirklich ein bisschen verrückt war ein Kandidat, der sich als Marketing Manager für Jagdausrüstungen beworben hatte. Beim Interview mit dem Vorstand des Unternehmens tauchte er in voller Jagdausrüstung inklusive Gewehr auf und bereitete am Tisch vor den Ansprechpartnern eine Jause vor.

Viking: Gibt es sowas wie “die perfekte Karriere”?

Matthias Dietrich: Aus der Sicht des Einzelnen ist das natürlich sehr individuell. Von einer perfekten beruflichen Karriere würde ich sprechen, wenn eine Person mit völliger Hingabe und Leidenschaft seinen Beruf ausübt. Bei Kandidaten im Interview wohnt z. B. dann der Beschreibung des Werdegangs eine gewisse Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit bei, fast mit Beiläufigkeit werden auch Beförderungen erzählt. In diesem Fall ist sicherlich schon sehr viel so gelaufen, wie es sich die Person vorgestellt hat. Und das drückt sich meist in einer Art Selbstverständnis und letztlich auch Selbstvertrauen aus.

Viking: Mythos “20 Jahre alt, Uniabschluss und mindestens 40 Jahre Berufserfahrung” – was wollen Unternehmen tatsächlich von idealen Bewerbern?

Matthias Dietrich: Es geistern so einige Mythen umher, was den idealen Bewerber betrifft. Das ist aus meiner Sicht der Tatsache geschuldet, dass ja kein Bewerber genau gesagt bekommt, warum er jetzt nicht für den betreffenden Job passt. Es werden unangreifbare, rechtskonforme Absagen formuliert, die sich – wenn überhaupt – auf Fachkompetenz und nicht die Persönlichkeit des Bewerbers beziehen. Das Bild, was da von einem idealen Bewerber entsteht, wird natürlich total verzerrt.

Als Personalberater hat man da natürlich schon mehr Einblicke und bekommt meist das ungeschönte Feedback zu hören. Klar hätten Unternehmen gerne jemanden, der aufgrund seiner Ausbildung und Erfahrung den angebotenen Job praktisch ohne Einarbeitung ausführen und damit nahtlos an seine bisherige Tätigkeit anknüpfen kann. Risikominimierung eben. Doch am Ende des Tages ist es die Chemie zwischen Bewerber und Vorgesetztem, die oft entscheidet und weniger, ob jemand noch ein Jahr mehr Erfahrung oder einen super Abschluss mehr vorweisen kann. Letztlich entscheiden Unternehmen danach, wie gut sich jemand mit seinem zukünftigen Chef verstehen wird. Da kann es dann auch ein zu gut geben, wenn das Gegenüber vielleicht Angst hat, dass der Kandidat ihn in naher Zukunft überholt und seinen Job übernehmen könnte.

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Am Ende des Tages ist es die Chemie zwischen Bewerber und Vorgesetztem, die oft entscheidet und weniger, ob jemand noch ein Jahr mehr Erfahrung oder einen super Abschluss mehr vorweisen kann.
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