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Servus, Unordnung! Hier kommt der Aufräumcoach. Ein Interview.

Servus, Unordnung! Hier kommt der Aufräumcoach. Ein Interview.

Der Jänner ist eine gute Zeit, um einmal so richtig auszumisten und Ordnung in die eigenen vier Wände und bzw. oder ins Büro zu bringen. Das fällt nicht immer leicht, vor allem der Anfang lässt sich nur schwer machen. Wir haben ein Interview mit Aufräumcoach Katrin Miseré von “Katrin schafft Platz” geführt. Die Wienerin bietet professionelle Hilfe beim Ordnung machen und erarbeitet gemeinsam mit ihren Kunden einfache aber effektive Wege um den guten Vorsatz, Ordnung zu halten, auch langfristig umzusetzen.

 Viking: Wie ist die Idee entstanden, Aufräumcoach zu werden?

Katrin Miseré: Ich war zu Besuch bei einer Freundin, in deren Wohnung sich die Dinge überall stapelten. Sie selbst beklagte sich, dass sie zu viel habe, sich aber von nichts trennen könne. Ich habe ihr meine Hilfe angeboten. Dabei und durch Gespräche mit anderen wurde mir klar, dass es ja vielen Menschen so geht: Sie fühlen sich nicht wohl, teilweise leiden sie regelrecht unter dem Überfluss, der dadurch entstehenden Unordnung und finden keinen Weg raus. Ich wollte rausfinden, ob es schon eine Dienstleistung gibt, die sich damit beschäftigt. In Amerika, in Großbritannien und auch in Deutschland wurde ich fündig und so beschloss ich, diese Dienstleistung in Österreich anzubieten und zu etablieren.

aufgeräumte Garderobe

Viking: Welche Hindernisse gab es dabei zu überwinden?

Katrin Miseré: Am Anfang ging es vor allem darum, bekannt zu werden. Wer Zahnschmerzen hat weiß, der Zahnarzt oder die Zahnärztin kann helfen. Aber wer hilft bei meinen Ordnungsproblemen? Hilft überhaupt jemand? Das hat sich inzwischen geändert.

Viking: Wer sind Ihre Kunden?

Katrin Miseré: Ich habe viele Privatkunden, die sich Unterstützung in ihrer Wohnung oder dem Haus wünschen. Dazu kommen die Selbständigen, die ihr Homeoffice gerne klarer und effizienter strukturiert haben möchten. Was mich sehr freut ist, dass auch viele kleine Unternehmen beginnen, das Ordnungsthema auszulagern. Weil es da keine klar definierte Person oder Stelle gibt, die z.B. für Lagerräume oder sonstige allgemeine Flächen zuständig ist, schleicht sich das sehr schnell ein Schlendrian ein.

Viking: Gibt es auch hoffnungslose Fälle?

Katrin Miseré: Solange Menschen bemüht und Willens sind, etwas an ihrer Situation zu verändern und auch schwierige Phasen durchzustehen, gibt es immer Hoffnung. Wirklich aufgegeben hat bisher noch niemand.

Mit Messies arbeite ich allerdings nur, wenn sie sich gleichzeitig therapeutisch begleiten lassen.

Viking: Bitte verraten Sie uns ein paar Tricks, die sofort für sichtbaren Erfolg sorgen.

Katrin Miseré: Jeden Tag die Post erledigen. Dafür reichen drei Entscheidungen und zwei Ablagefächer.

1.) Muss ich etwas erledigen (ab in das Fach „zu erledigen“),

2.) gehört es in mein Archiv (ab ins Fach „Ablage“),

3.) kann ich es wegwerfen (ab ins Altpapier)

Damit ist die tägliche Post in maximal drei Minuten verteilt und es bilden sich keine Stapel mehr.

Alles immer sofort nach Gebrauch wegräumen. Erst mit dem Wegräumen ist eine Tätigkeit wirklich abgeschlossen. Beispiel: Essen. Zum Essen gehört Kochen, Tisch decken und natürlich Essen. Aber genauso gehört dazu die Küche wieder in Ordnung bringen. Beginnen Sie, alle Ihre Tätigkeiten so zu betrachten, dann wird das sofortige Aufräumen zur Routine und langwierige Aufräumaktionen wird es nicht mehr geben.

Achten Sie darauf, folgende Dinge frei und jederzeit zugänglich zu halten: Küchentisch, Arbeitsflächen in der Küche, Schreibtisch, Bett.

LogoKatrin

Viking: Was war Ihr bisher größter Erfolg in Ihrem Job?

Katrin Miseré: Als Expertin für das Thema Ordnung/Struktur/Minimalismus wahrgenommen zu werden.

Viking: Was ist Ihr Lieblingsbüroartikel, auf den Sie nicht mehr verzichten können?

Katrin Miseré: Eindeutig der Ordner.

Viking: In der Vergangenheit hat man schon von Fahrschullehrern gelesen, die als Privatperson Verkehrssünder waren. Wie sieht das bei Ihnen aus? Wenden Sie Ihre Prinzipien privat an oder können Sie daheim auch mal über Unordnung hinwegsehen?

Katrin Miseré: Die Frage gefällt mir sehr gut. Viele glauben, meine Familie und ich leben in einer Katalog-Wohnung. Würde ich alleine leben, gäbe es deutlich weniger Dinge zu Hause. Durch meine Kinder habe ich gelernt, gelassener zu werden und vor allem im Kinderzimmer gelten andere Regeln. Was wir aber in den gemeinsamen Räumen alle beherzigen ist: immer alles sofort alles nach Gebrauch wegräumen, damit jeder andere alles auch benutzen kann, freie Flächen und am Abend wird die Wohnung auf einen Grundstandard gebracht. Das dauert maximal zehn Minuten. Also alles in allem: Die Prinzipien, die ich empfehle, lebe ich auch. Schließlich helfen sie mir ja.

Viking: Wie schalten Sie nach einem Arbeitstag ab?

Katrin Miseré: Ich koche gerne und höre dabei Hörbücher. Grundsätzlich gelingt es mir aber auch einfach während des Tages abzuschalten. Wenn ich auf dem Rad zu Kunden unterwegs bin, ist das pure Zeit für mich. Und wenn ich z.B. in der U-Bahn sitze, mache ich einfach gar nichts. Ich lese kein Buch, schreibe keine SMS, sondern hänge meinen Gedanken nach.

Viking: Vielen Dank für das Interview.

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Was ist Ihr ultimativer Tipp, um Ordnung zu schaffen? Wir sind gespannt, Ihre Antworten auf unserer Facebook-Seite oder bei uns auf Twitter zu lesen.

 

 

Portrai Aufräumcoach Katrin Miseré Alles immer sofort nach Gebrauch wegräumen. Erst mit dem Wegräumen ist eine Tätigkeit wirklich abgeschlossen. Beispiel: Essen. Zum Essen gehört Kochen, Tisch decken und natürlich Essen. Aber genauso gehört dazu die Küche wieder in Ordnung bringen.
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