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Der eigene Chef sein – Spaß oder Albtraum?

Der eigene Chef sein – Spaß oder Albtraum?

Endlich mal das Sagen haben, sich die Arbeit selbst einteilen und ein bisschen mehr Freiraum genießen – das ist der Traum vieler Angestellter, während sie Tag ein, Tag aus an ihrem Schreibtisch sitzen. Häufig gibt es da auch diese kleine Geschäftsidee, die seit Jahren im Hinterkopf rumschwirrt, die man sich aber nie trauen würde, tatsächlich zu verwirklichen. Denn ein Start-up zu gründen und die Sicherheit des alten Arbeitsplatzes hinter sich zu lassen, ist nicht einfach. Viele fürchten sich vor der Ungewissheit, dem Aufwand und ganz besonders vor dem Scheitern. Letzteres ist das Haupthindernis, denn nach Angaben des Global Entrepreneurship Reports 2014 haben fast 35 Prozent der Arbeitnehmer im Alter zwischen 18-64 Jahren ganz klar Angst, mit der eigenen Geschäftsgründung baden zu gehen. Allerdings nimmt auch die Zahl der Mutigen zu, die ihren inneren Schweinehund besiegen, es anpacken und tatsächlich ihr eigenes Start-up-Unternehmen gründen. Und das liegt voll im Trend, denn laut der offiziellen Webseite der Stadt Wien nimmt der Start-up-Markt in Österreich in den letzten Jahren Fahrt auf. Besonders die Bereiche IT, Technologie und Medien scheinen kreative Ideen zu inspirieren: Hier wurden die meisten neuen Geschäftsgründungen verzeichnet.

Mut muss man also haben, das steht schon mal fest. Es gibt aber Statista zufolge noch weitere Merkmale des „typischen“ Start-up-Gründers. Besonders häufig machen sich in Österreich Leute nach einer abgeschlossenen Lehre selbstständig. Universitätsabsolventen befinden sich zwar nach Angaben der Studie auf dem zweiten Platz, allerdings liegen sie mit nur 18 Prozent weit abgeschlagen hinter den Absolventen einer Lehre. Dabei scheinen Männer die Idee, ihr eigener Chef zu sein, besonders zu mögen, denn nur 30 Prozent der Start-ups in den letzten Jahren wurden von Frauen gegründet. Aber egal ob Mann oder Frau, hat man den Schritt in die Selbstständigkeit erstmal gewagt, dann zeigt sich schnell, was man als Hauptverantwortlicher der eigenen Firma zu erwarten und zu leisten hat. Natürlich kann es wichtige berufliche und finanzielle Vorteile mit sich bringen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Aber es gibt da noch ein paar weitere kleine Pluspunkte, die den Schritt zusätzlich versüßen.

Zeiteinteilung

Morgens ausschlafen, dann noch mal schnell zum Einkaufen in die Stadt, eventuell zwischendurch einen Arzttermin wahrnehmen und zum Nachmittag hin endlich mit der Arbeit anfangen. Das ist eine nette Vorstellung, entspricht allerdings nicht wirklich der Realität der Selbstständigen. So hart es auch ist: Man muss sich von der Traumvorstellung verabschieden, auf einmal deutlich weniger zu arbeiten. Denn auch wenn man sich die Arbeitszeit meistens tatsächlich flexibler einteilen kann, heißt das nicht, dass die Arbeit dadurch weniger wird oder sich in Luft auflöst. Allerdings besteht häufig die Möglichkeit, dass man sich ein bisschen mehr nach dem eigenen Rhythmus richten kann. Viele Menschen sind zum Beispiel eher am Abend oder sogar in der Nacht produktiv, während andere ihre Hochphase am Morgen haben und schon vor 9 Uhr morgens eine ganze To-Do Liste abarbeiten.

Edward Webb/ Flickr via Creative Commons

Edward Webb/ Flickr via Creative Commons

In der Europäischen Union wagen besonders jüngere Leute im Alter zwischen 25 und 35 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit. Das ist allerdings auch das Alter, in dem die meisten Menschen aktiv anfangen, über Familienplanung nachzudenken oder eventuell schon die ersten kleinen Kinder zu Hause herumlaufen haben. Als eigener Chef ist es hier natürlich von Vorteil, wenn man sich seine Arbeits- und Urlaubszeit flexibler einteilen kann, als es vielleicht in einem normalen 9-5 Bürojob bei einer großen Firma möglich wäre. Babyschwimmen, Kindergartenausflüge und das Mittagsschläfchen lassen sich so eher im täglichen Zeitplan unterbringen. Zudem kann man argumentieren, dass bei der Selbstständigkeit Abwechslung garantiert ist, denn jeder Tag bietet neue Herausforderungen und Projekte.

Witzige Bewerbungen

Natürlich kennen wir alle die Standardbewerbung: „Hiermit bewerbe ich mich auf Ihre ausgeschriebene Stelle.“ Mehr und mehr setzen sich allerdings außergewöhnliche Bewerbungen durch, die sich von der Masse abheben. Es finden sich inzwischen diverse Beispiele lustiger, kreativer und origineller Bewerbungen, die so vorher garantiert noch nicht in der Personalstelle aufgetaucht sind. Dabei kann schon die Sprache und der Stil den Unterschied machen, denn besonders in kreativen Berufen ist häufiger auch Umgangssprache im Anschreiben erlaubt. Manchen reicht allerdings ein witziger Text nicht mehr aus und es wird zu härteren Maßnahmen gegriffen. Eine Papierbewerbung war gestern: Von Youtube-Bewerbungsvideos über Heuballen mit eingebauter Nachricht bis hin zu Bewerbungen auf Bratpfannen kann so ziemlich alles in der Personalabteilung eintrudeln. Es gilt das Motto: Alles kann, nichts muss. Nicht selten schicken hoffnungsvolle Bewerber auch kulinarische Köstlichkeiten, die allerdings je nach der Länge des Postweges nicht immer ganz frisch ankommen. Als eigener Chef hat man das Vergnügen, sich all diese Bewerbungen genauestens ansehen zu können. Langeweile bei der Einstellung neuer Mitarbeiter ist somit garantiert nicht in Sicht und besonders in kreativen Berufen kann man sich auf so einiges gefasst machen.

Dirk Vorderstraße/ Flickr via Creative Commons

Dirk Vorderstraße/ Flickr via Creative Commons

 Anrufbeantworter

Das erste eigene Büro ist eingerichtet, der Firmenname prangt stolz an der Tür und die Visitenkarten liegen frisch gedruckt auf dem Tisch. Jetzt fehlt nur noch die passende Ansage für den Anrufbeantworter und dann steht dem neuen Karriereabschnitt nichts mehr im Weg. Als eigener Chef hat man hier natürlich freie Hand. Karrierebibel rät nichtsdestotrotz, die Seriosität nicht vollkommen zu vergessen. Natürlich ist es verlockend, Ansagen wie „Sie haben das Recht zu schweigen, alles was Sie sagen, kann und wird gegen Sie verwendet werden“ oder „Unwichtige Nachrichten sprechen Sie bitte VOR dem Signalton – alle anderen danach …“ auf das Band zu sprechen. Das könnte allerdings nicht unbedingt geschäftsfördernd wirken und den einen oder anderen potenziellen Geschäftskontakt eher abschrecken. Vielleicht ist – auch wenn man sich als eigener Chef voll austoben könnte – die klassische Ansage doch die klügere Wahl. Auf der privaten Handy-Mailbox kann man sich ja immer noch kreativ verwirklichen.

Chef sein macht Spaß

„Wenn ich Chef wäre, dann würde ich ja alles anders machen …“ – etwas Ähnliches hat sicherlich schon jeder Arbeitnehmer mal in einem lockeren Gespräch mit Kollegen gesagt. Und natürlich ist die Idee verlockend, wirklich völlig neue Regeln aufzustellen. Allerdings trägt man als Chef der eigenen Firma oder des eigenen Start-ups die komplette Verantwortung und sicherlich gibt es nicht nur einen einzigen langen Abend im Büro, an dem alles ein bisschen zu viel wird. Allerdings gibt es auch die kleinen, netten Momente, denn seien wir mal ehrlich: Chef zu sein, kann auch ziemlich viel Spaß machen. Statt in einem Büro mit schlechtem Arbeitsklima zu sitzen, können Sie selbst aktiv die Stimmung in der Firma beeinflussen – sei es mit einem lockeren Umgangston, dem Verzicht auf einen strengen Dresscode oder mit einem Feierabendbier am Freitag.

Jim Larrison/ Flickr via Creative Commons

Jim Larrison/ Flickr via Creative Commons

Außerdem kann es auch mal ganz nett sein, in Meetings das letzte Wort zu haben und tatsächlich den eigenen Kopf durchzusetzen. Denn besonders beim eigenen Start-up wird häufig der eigene Traum oder Hobby zum Beruf gemacht und somit haben Sie als Chef natürlich auch Expertise in dem Gebiet. Und wenn das erste Projekt der eigenen Firma endlich erfolgreich abgeschlossen ist, dann kann man sich als eigener Chef auch mal ganz verdient auf die Schulter klopfen – denn schließlich ist alles aus einer kleinen Idee im eigenen Hinterkopf entstanden.

Alles was Sie für die Gründung Ihres eigenen Büros brauchen, finden Sie hier.

Statt in einem Büro mit schlechtem Arbeitsklima zu sitzen, können Sie selbst aktiv die Stimmung in der Firma beeinflussen - sei es mit einem lockeren Umgangston, dem Verzicht auf einen strengen Dresscode oder mit einem Feierabendbier am Freitag.
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