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Büromensch der Zukunft: Evolution oder Optimierung?

Büromensch der Zukunft: Evolution oder Optimierung?

Haben Sie schon einmal von einer Handy-Delle oder einem Gaming-Rücken gehört? Nein? Wie wäre es mit Blackberry-Nacken oder iPhone-Finger? Auch nicht? Kurz erklärt sind das Krankheiten, die durch die intensive Nutzung von modernen Technologien zunehmend in unserer Gesellschaft vorkommen. Eine Studie der Universität zu Bonn, die die Nutzungsgewohnheiten von 60.000 Smartphone-Besitzern analysierte, fand heraus, dass Besitzer ihr Smartphone im Durchschnitt bis zu 53 Mal am Tag aktivieren und dadurch alle 18 Minuten die Tätigkeit unterbrechen, mit der sie gerade beschäftigt waren. Kein Wunder also, dass die Handy-Delle in kleinen Finger, die vor einiger Zeit Wellen in den sozialen Netzwerken schlug, immer häufiger Nebenwirkungen unserer digitalen Welt werden.

Da stellt sich die Frage, ob kleine körperliche Veränderungen, wie zum Beispiel der Blackberry-Nacken, oder das ständige Starren auf Computermonitore zu größeren, permanenten, evolutionsbedingten Veränderungen im menschlichen Erscheinungsbild führen könnten, ähnlich denen, die über Millennia beim Homo Sapiens zu opponierten Daumen und nach vorn gestellten Augen führte. Denn Tatsache ist, dass die Evolution noch nicht mit uns als Menschen fertig ist und ständig unbemerkt winzige Veränderung stattfinden, die uns helfen die moderne Welt besser zu navigieren. Also wie könnte der Mensch der Zukunft aussehen? Wie arbeitet er, nicht nur im generellen Leben, sondern auch spezifisch in der Bürowelt? Das ist die Frage, die wir unseren Mitarbeitern und drei renommierten Experten auf diesem Gebiet gestellt haben. Für dieses Gedankenexperiment haben uns Diplomphysiker, Futurologe und Science-Fiction-Autor Karlheinz Steinmüller, Dr. Sascha Dickel, Juniorprofessor für Mediensoziologie an der Universität Mainz, sowie Prof. Dr. Stefan Lorenz Sorgner, posthumanistischer Philosoph an der John-Cabot-Universität in Rom zur Seite gestanden.

Der Zukunftsmensch in den Augen der Laien

Bei der Befragung unserer Kollegen kamen zum Teil sehr skurrile Vorstellungen ans Tageslicht. Zum Beispiel stellten sich einige vor, dass der Mensch der Zukunft übergroße Augen haben könnte, die es ihm ermöglichen mehrere Computerbildschirme zu gleichen Zeit zu erfassen. Andere Kollegen spekulierten, dass unserer Hände durch das Tippen und Swipen auf Smartphones nur noch über drei Daumen und einen Zeigefinger verfügen. Wieder andere überlegten sich, dass Menschen eine C-förmige Wirbelsäule entwickeln werden, durch die ständige, Smartphone bedingte, vorn übergebeugte Haltung. Gleichzeitig würde diese Form mehr Platz für den erweiterten Magen des zukünftigen Menschen bieten, da der heutige gesellschaftliche Trend zur Fettleibigkeit keine Ausnahme bleiben wird, sondern zur Norm wird. Viele unserer Mitarbeiter vertraten die Meinung, dass die Menschen der Zukunft durch die Fettleibigkeit außerdem dreimal so dicke Beine haben werden, da sich keiner mehr auf natürliche Weise, also zu Fuß, fortbewegen wird. Auch Schwimmhäute gehören in der Fantasie unserer Kollegen zu den physischen Merkmalen des Zukunftsmenschen, denn dieser hat sich ihrer Meinung nach dem Klimawandel, also dem Schmelzen der Pole, angepasst haben wird.

Zukunftsmensch_Laien

Was die Experten sagen

Auch wenn die Vorstellungen unserer Kollegen gar nicht so unplausibel klingen, sind sich unsere Experten jedoch einig, dass die größten Veränderungen, die der Mensch der Zukunft durchlaufen wird, sich nicht durch die natürliche Selektion herausbilden, sondern durch den willkürlichen Eingriff der Menschen selbst. Alle drei sind sich außerdem einig, dass zukünftigen Generationen nicht komplett anders aussehen als wir heute und dass viele der Veränderungen eher unter der Hautoberfläche durch biotechnische Rekonstruktionen stattfinden werden.
„Ich glaube, dass sich die physischen Merkmale, wenn ich die gegenwärtige Entwicklung richtig einschätze, sich gar nicht so markant verändern werden,“ erklärt Dr. Sascha Dickel, von der Universität Mainz. „Ich glaube tatsächlich, dass die meisten Veränderung, Verbesserungen, sich eher über sehr subtile digitale Technologien, zumindest im mittelfristigen Bereich, entwickeln werden.“
Dieser Meinung ist auch Prof. Dr. Sorgner, von der John Cabot Universtät in Rom. Für ihn ist der drastischste visuelle Unterschied im Erscheinungsbild des Zukunftsmenschen die Option der grünen Haut, über die wir Nährstoffe mittels Photosynthese aufnehmen werden können. Eine weitere denkbare Option für Prof. Dr. Sorgner wäre eine Art kugelsichere Haut, basierend auf den Experimenten einer holländischen Künstlerin und eines US-Forschers, die aus einer Mischung aus Spinnenseide und Hautzellen dies bereits erreicht haben. Auch Futurologe Karlheinz Steinmüller findet, dass es keine drastischen äußeren Veränderungen geben wird. Er räumt jedoch ein: „Denkbar wäre, dass man den Menschen so umbaut, dass die Wirbelsäule gerade wird und nicht S-förmig gebogen ist. Somit können sozusagen ererbte Unzulänglichkeiten der Menschen ausgebügelt werden.“

Ein weiterer Punkt in dem sich alle drei Experten einig sind, ist die Erweiterung der Sehfähigkeiten des Zukunftsmenschen. Nicht etwa, wie unsere Kollegen es sich vorstellen, durch größere Augen, sondern durch Implantate. Dr Dickel: „Was wir haben werden, ist ein Mensch, der sehr viel stärker mit der digitalen Welt vernetzt ist, etwa durch Kontaktlinsen, durch Implantate vielleicht, die ihn direkt mit dem Internet verbinden.“ Auch Prof. Dr. Sorgner glaubt Augenimplantate sind eine Möglichkeit für die Entwicklung des Menschen. „Computer, Smartphone und Monitor werden verschwinden und in den menschlichen Körper integriert werden,“ erklärt er. „Der Bildschirm wird via Kontaktlinsen zur implantierten Linse im menschlichen Auge, die es uns ermöglichen wird, mittels augmentierter und virtueller Realität im Netz zu surfen.“

Zukunftsmensch_Experten

Verknüpfung von Gehirn und Computer in 20 Jahren

Der jedoch weitaus größte Fortschritt für den Menschen der Zukunft sehen unsere Experten in der Art und Weise, wie wir mit Computertechnologien interagieren werden. Dr. Dickel findet, dass man anhand der heutigen Entwicklungen, plausibel darüber spekulieren kann, dass uns Technologien so nahe auf den Leib rücken, durch Implantate oder Interfaces, dass wir in der Zukunft kaum mehr zwischen „offline“ und „online“ unterscheiden werden können – und das schon in den nächsten 20 Jahren. „Denken Sie doch nur mal an die letzte Entwicklungskonferenz von Facebook, wo es um ein Interface ging, mit dem man per Gedanken Nachrichten schreiben kann und über die Haut hören kann. Genau das sind, glaube ich, Entwicklungen, die vielleicht nicht in der Form kommen, vielleicht auch nicht so schnell, vielleicht nicht in 5 bis 10 Jahren, aber in 20 kann ich mir das gut vorstellen,“ so Dr. Dickel. Auch für Herrn Steinmüller besteht kein Zweifel, dass die Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer immer näher an den Menschen heranrücken wird, sodass später durch Gedanken Nachrichten verfasst und versendet werden können.
Selbst das Smartphone wird künftig im menschlichen Körper integriert sein, davon geht Prof. Dr. Sorgner aus. Aus Sicherheitsgründen und weil es dort unauffällig und unproblematisch einzufügen ist, wäre die perfekte Stelle dafür zwischen Daumen und Zeigefinger.

Das Büro der Zukunft

Auf die Frage, wie sie sich das Büro der Zukunft vorstellen, antworteten viele unserer Kollegen, dass wir immer und überall erreichbar sein werden und arbeiten werden können und, dass damit das Büro überflüssig wird. Unsere Experten gehen jedoch davon aus, dass die Bürowelt auf eine Neudefinition hinauslaufen wird. Dazu Dr. Dickel: „Auf der einen Seite, wird das Büro der Zukunft der Ort sein wo ich menschliche Kontakte habe, wo also ganz viele Möglichkeiten bestehen, dass ich mit Leuten, die quasi in meinem Umfeld arbeiten in Kontakt trete. Das muss nicht unbedingt physischer Kontakt sein. Das kann durch physisch wirkende Kontakte sein bei denen meine Büropartnerin oder Büropartner vor mir quasi projektiert wird und ich wirklich das Gefühl habe, ich habe ein Meeting mit 20 Leuten, obwohl ich ganz allein bin. Der Arbeitsplatz der Zukunft muss vor allen Dingen Eines bieten: die Möglichkeiten zur Konzentration. Wenn sozusagen ungefiltert der Mensch die ganze Zeit online ist, da braucht er irgendeine Form des Ausgleichs. Es muss noch mehr Ausgleich, noch mehr Möglichkeiten zur Konzentration geben. Das muss das Büro bieten können.“
„Eigentlich bräuchten wir kein Büro mehr,“ spekuliert auch Prof. Dr. Sorgner, „da wir aufgrund der allgemeinen Vernetzung und der Integration von Computern in unseren Körpern an allen Orten arbeiten können. Trotzdem wird es weiter Büros geben, jedoch weniger um dort primäre zu arbeiten, als vielmehr um einen Ort der emotionalen und körperlichen Begegnungsstätte zu haben. Zwar stehen Liegen und Stühle in einem Teil des Großraumbüros zur Verfügung, jedoch ist das Hauptanliegen dieser Örtlichkeiten der persönliche Austausch und die körperliche und direkte emotionale Begegnung.“

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Wie könnte der Büromensch der Zukunft für Sie aussehen? Wir würden uns freuen, Ihre Meinung auf unseren sozialen Medienkanälen Facebook oder Twitter zu hören.

Computer, Smartphone und Monitor werden verschwinden und in den menschlichen Körper integriert werden.
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