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Auswandern für den Job – das erwartet einen wirklich

Auswandern für den Job – das erwartet einen wirklich

Januar ist für viele eine Zeit der Veränderungen, denn schließlich soll das neue Jahr anders und vielleicht noch besser werden als 2015. Das kann mehr Sport oder eine gesündere Ernährung beinhalten, es kann aber auch eine berufliche Veränderung bedeuten. Häufig reizt in dem Zusammenhang besonders das Ausland, denn wer hat sich nicht schon einmal vorgestellt, für ein paar Jahre in einem anderen Land zu leben und zu arbeiten und neue Erfahrungen zu machen. Manche fasziniert auch die Aussicht die Sprachkenntnisse aufzufrischen – oder sogar eine Sprache ganz neu zu erlernen – und völlig andere Menschen und Kulturen kennenzulernen. Teilweise lohnt es sich auch finanziell, für ein paar Jahre in einem anderen Land zu leben, da sich die Lebenshaltungskosten häufig stark von denen in Österreich unterscheiden. Die Einkommens- bzw. Beschäftigungssituation scheint auch tatsächlich für viele das Hauptmotiv einer Auswanderung zu sein, wie eine aktuelle Umfrage belegt. Demnach ist das Einkommen sogar noch eher eine Motivation, als zum Beispiel eine höhere Lebensqualität oder einfach die Lust auf was Neues.

Besonders dann, wenn man bereits mit einem festen Arbeitsvertrag ins Ausland zieht, sind Dinge wie Wohnung, Bankkonto und eventuell Auto auch tatsächlich relativ schnell umsetzbar. Allerdings bemerkt man erst nach der eigentlichen Auswanderung Kleinigkeiten, die man vorher vielleicht nicht unbedingt bedacht hat. Wir haben hier mal genau diese Kleinigkeiten zusammengestellt. Denn auch wenn es eher um nebensächliche Dinge geht, so gehören sie doch zum Gesamtpaket der Erfahrung „Auswanderung“ dazu.

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https://www.flickr.com/photos/121483302@N02/

Kleinigkeiten mit großem Einfluss

Es ist natürlich nichts Neues, dass im Ausland gerade die Sprache wichtig für einen erfolgreichen Start in den neuen Job ist. Und besonders wenn es um Englisch, Spanisch oder Französisch geht, haben die meisten Österreicher auch gute Grundkenntnisse. Allerdings muss man eben auch bedenken, dass man im neuen Land in den meisten Fällen mit Muttersprachlern zusammenarbeitet und diese arbeitsbezogene Ideen mit sprachlicher Gewandtheit viel besser präsentieren können. Die eigenen Ideen wirken dagegen teilweise –  auch wenn sie noch so gut sein mögen -, ein bisschen schwach, wenn man sie in einfachen Worten zu erklären versucht, weil man eben doch noch nicht die ganzen perfekten Phrasen der neuen Sprache kennt. Das ist allerdings eines der Probleme, die sich mit der Zeit von selber lösen, denn selbstverständlich schnappt man im Laufe der Zeit immer mehr Floskeln und Umgangssprache auf.

Das Leben im neuen Land ist toll und man ist ganz begeistert vom neuen Umfeld. Aber spätestens nach ein paar Monaten oder besonders zu den Feiertagen möchte man doch für ein paar Tage die zurückgebliebene Familie oder Freunde in Österreich besuchen. Hier ist allerdings Planungsvermögen angesagt, denn genau zu der Zeit fliegen nun mal alle: Studenten, die Semesterferien haben, Urlauber, die die Feiertage gerne woanders verbringen möchten und eben Auslandsösterreicher, die für ein paar Tage in die Heimat zurück möchten. Diese Nachfrage wirkt sich natürlich auf den Preis aus. Von daher gilt: Je eher im Voraus man die Flugtickets bucht, desto eher sind sie noch auf einem Preisniveau, das man auch ohne Bankdarlehen aufbringen kann.

https://www.flickr.com/photos/mike_miley/

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Zum Glück gibt es inzwischen  Apps wie Skype oder Facetime, mit denen man auch im Ausland mit den Freunden in Verbindung bleiben kann. Allerdings geht die Spontanität dabei zwangsweise den Bach runter, denn man muss einen Termin für einen Skype-Call vereinbaren. Wenn dann auch noch eine Zeitverschiebung dazu kommt, dann ist es meistens schon ein halber Staatsakt einen Zeitpunkt zu finden. Bei dieser Umständlichkeit zeigt es sich dann auch meistens recht schnell und deutlich, wer die wahren Freunde sind. Denn eine Freundschaft „Long-Distance“ aufrechtzuerhalten, erfordert von beiden Seiten aktiven Einsatz und das ist leider nicht immer gegeben. Dafür lernt man allerdings im neuen Land und Job garantiert neue Leute kennen, die eventuell die eine oder andere Lücke füllen.

Um noch mehr Informationen über die Schwierigkeiten bei der Auswanderung für den Job zu erfahren, haben wir mit Jan Harmening gesprochen. Er betreibt die Webseite Auswandern Info und gibt Tipps und Informationen zur Auswanderung in 74 verschiedene Länder.

Viking: Welche falschen Vorstellungen haben viele, wenn sie ins Ausland gehen?

Jan Harmening: „Einige glauben, dass sie weniger persönliche Probleme oder mehr Freiheiten haben. Das mag auch in einigen Fällen zutreffen. Oftmals ,verfolgen‘ einen jedoch seine persönlichen Probleme oder ,holen einen wieder ein‘. Mit den Freiheiten verhält es sich anders. In manchen Ländern kann man tatsächlich einige Freiheiten genießen, die in der alten Heimat vielleicht undenkbar sind. Jedoch gibt es im Ausland nicht selten Einschränkungen oder Hindernisse, die es so in der Heimat nicht gibt.

Ein weiteres Manko ist, dass viele ihre neue Heimat nur im Urlaub kennengelernt haben. Dadurch haben sie etwas verschobene Vorstellungen vom Alltagsleben. Daher gibt es vor allem für jene ,ein Erwachen‚, die sich in ihrer neuen Wahlheimat ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Wer sich zum Beispiel im Ausland selbstständig machen möchte, dies aber nie vorher in der Heimat ausprobiert hat, trägt ein hohes Risiko des Scheiterns.“

Viking: Gibt es tatsächlich so etwas wie einen Kulturschock?

Jan Harmening: „Dies ist stark in Abhängigkeit der jeweiligen Kultur, den Lebensbedingungen und der Mentalität im jeweiligen Land. Selbst in der eigenen Heimat könnte man eine Art Kulturschock bekommen, wenn man z.B. vom idyllischen Landleben in den Bergen in eine multikulturelle Metropole in einem anderen Bundesland zieht.

Vor allem im nichteuropäischen Ausland haben viele Anpassungsprobleme, selbst wenn sie das Land schon mehrmals im Urlaub bereist haben und gut zurecht gekommen waren. Entscheidend sind jedoch zum einen die innere Einstellung und Offenheit sowie zum anderen die Erfahrungen, die man bereits mit anderen Kulturen gemacht hat.“

https://www.flickr.com/photos/prayitnophotography/

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Planungs-Tipps für die Auswanderung von Jan Harmening

Absicherung:

  • Sind in der neuen Heimat nicht die gleichen oder ausreichend Absicherungen vorhanden (z.B. Krankenkasse), so sollte man dies in der Heimat für seinen Auslandsaufenthalt vertraglich festlegen.
  • Wer sich nicht absolut sicher ist, dass er für den Rest seines Lebens im Ausland leben wird, sollte nach Möglichkeit eine Absicherung in der alten Heimat haben oder aber sich eine Rückkehrmöglichkeit offen halten.

Wohn- und Lebensbedingungen:

  • Wer in der neuen Heimat kein komplettes Inventar, inklusive Küchengeräte, Werkzeuge, etc. übernimmt, sollte sich genau informieren, was es eventuell dort nicht oder nicht in ausreichender Qualität gibt und dies eventuell per Container oder Überseefracht hin senden lassen.
  • Bedenken sollte man, dass das Leben im Ausland unter Umständen stark von dem Leben in der Heimat abweicht, weswegen einige lieb gewordene und wichtige Dinge dort gar nicht benötigt werden oder aber ganz andere Dinge wichtig werden.

Letzte wichtige Hinweise zur Einwanderung:

  • Die Bearbeitung von Visa-Anträgen dauert je nach Zielland und Art des Visums etwa 6-12 Monate. Es kann sich aber auch über 24 Monate oder mehr hinziehen. Daher sollte man herausfinden, wie lange dies in seinem Zielland dauern wird. Daraufhin plant man die Zeit, die man noch in der alten Heimat verbringen wird sowie die Dinge, die hier im Vorfeld zu erledigen sind.
  • Wichtig ist darauf zu achten, dass manchmal die mitgebrachten Papiere im Einwanderungsland nur eine Gültigkeit von 3 Monaten haben. Daher sollte man sich diese Papiere nicht zu zeitig beschaffen.
  • Es ist auch sicher zu stellen, dass die Pässe aller Familienmitglieder bei Ausreise noch so lange wie möglich oder nötig gültig sind. Das erspart unnötige Kosten und Laufereien.

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Und falls Sie demnächst auch einen Auslandsaufenthalt planen – und sei es nur für einen Urlaub-, dann finden Sie alles für die Planung und die To-Do-Listen hier.

Eine Freundschaft „Long-Distance“ aufrechtzuerhalten, erfordert von beiden Seiten aktiven Einsatz und das ist leider nicht immer gegeben.
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